History

Entstehung, Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet

In Wiesbaden und Mainz entwickelte sich bereits  1984 eine kleine Hip-Hop-Szene, deren legendärer Treff das "Roll On", eine Rollschuhbahn in Wiesbaden-Biebrich, war. Das Wochenende gehörte den Breakdancern, während sich die Writer trafen, um gegenseitig ihre Arbeiten zu begutachten, die im wesentlich aus in BlackBooks gemalte Skizzen und Tuschebildern bestanden. Das sprayen von grossformatigen Graffiti-Pieces war zu dieser Zeit eher noch  die Ausnahme. Hauptbetätigung der Writer war damals das "Bomben gehen". Die Breakdance-Battles im "Roll-On" waren weithin bekannt, und so kamen  auch Gruppen aus Frankfurt zum Tanzen nach Biebrich. Einige Breakdancegruppen waren: Electric Force, Floor Rockers, Supreme Force, We wear the Crown.
Die ersten Tags sind in Wiesbaden um 1984 aufgetaucht. SMAX und Mr. BoB dürften die ersten Graffiti-Writer der Stadt gewesen sein, die auch grossformatige Pieces sprühten. 1985 tauchten weitere Namen auf, so z.B. MONO MAN, HULK (RiP), JESSEY 167, SHAWN 126, KING BUGS, CHAS, CARE, DROID,  SADO (RiP), MR.FREEZE u.v.a . 1985/86 wurden die Tags noch mit Tusche und Lackstiften gemacht, während ab `86 allmählich der Gebrauch der Spraydose einzog, und der  Wandel vom Tag zum Piece auch in Wiesbaden einzog. Zu dieser Zeit lernten sich  die Writer des Rhein-Main-Gebietes auf ihren Fahrten mit der S-Bahn gegenseitig  kennen.
Um jugendlichen Sprayern die Möglichkeit des legalen Arbeitens zu bieten und um sie aus der Illegalität zu holen, gründete 1984 der Münchener Völkerkunde Professor Peter Kreuzer die EGU (Euro-Graffiti-Union). Die EGU-Wiesbaden gründete sich 1988 unter Leitung des Streetworkers Harald Pfaff, und bestand aus einer Gruppe von Jugendlichen, die sich regelmässig trafen und gemeinsam erste öffentliche Aufträge gestalteten, sowie gemeinsam eine erste Graffiti-Ausstellung organisierten ("Gegen das Alltagsgrau", Gr.Tattersall,1989).  Eine der erste EGU-Aktionen war die Gestaltung eines ESWE-Busses mit dem Motto:  "Wiesbadener fahren mit dem Bus". Weitere Aktionen der EGU-Wiesbaden: u.a  die Gestaltung des Sonnendecks im Kleinfeldchen, Wand-Gestaltung im ESWE-Hallenbad.  Anfang der 90er löste sich diese Wiesbadener Gruppe auf.

Die Rhein-Main-Posse mit der Bahn  oder  "Fahr Bunt"

Anfang der 90er war die Szene des Rhein-Main-Gebietes  schon sehr gut vernetzt. Man traf sich um gemeinsam Aktionen durchzuführen.  Der Höhepunkt der Rhein-Main-Szene dürfte 1991/92 gewesen sein, als ein Grossteil  der S-Bahnen vollgebombt waren. Auf nahezu jeder S-Bahn konnte ein Piece bewundert  werden, welches oftmals mehrere Wochen "on Line" war. Auch die Silberzüge  der Bahn erfreuten sich grosser Beliebtheit bei den Writern, da auch diese Züge optimalen Untergrund zur Bemalung boten, und oftmals mehrere Wochen bis in den  Rhein-Neckar-Raum verkehrten. Die "Aktion Silbersturm" , eine Aktion in der sich Writer aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet absprachen, um systematisch das Zugsystem zu "sprengen" wurde über die Grenzen der Region hinaus bekannt, und setzte bundesweit einen neuen Massstab.
Um der Graffiti-Szene Paroli zu bieten gründete  das Unternehmen Zukunft - die Deutsche Bahn - eigens eine Graffiti-SOKO, deren  Leiter mit dem bezeichnenden Namen: Spieler.
Observationen der Zugdepots, sorgfältiges Studieren  der Pieces und Tags, sowie Hausdurchsuchungen führten zu vereinzelten Erfolgen, die in Verurteilungen und anschliessenden Schadensersatzforderungen der Bahn mündeten. Einige Namen aus dieser Zeit: RTA, UCA, DBL, GBF, OTA, NEAR, ROME, KISM, BOMBER, GREY, LAST, CAZO, SIDE, HATE, MAIL, MANE, SNEK, GOAL, OEL, SUMO, JEK, SIK, AIRS, BRAIN, ME, RATE, u.v.m.
Eröffnung des Schlachthofs (Hall of Fame) und weitere Entwicklung der Wiesbadener Szene
1993 wurde der Schlachthof in Wiesbaden für Writer freigegeben. Das Resultat waren natürlich mehr Writer und mehr Pieces. Eine  zweite Generation von Graffiti-Künstlern fing an zu malen: SOUL, KYZE, YOR7,  AJZ, KIMUR, SYS, RUDE, KMC, CRUECREW, TINY, MIES, YVES, HWB, FAT, EXIT. Von den "alten"  blieben nur noch drei aktiv: CAZO, CARE und SIDE.
Danach entwickelte sich noch eine weitere Generation mit VIBE, AMOR, HAWK, TAS,  MOTOR, ITCHIE, KNIK, ZONK, CMR, SMOK, ASON, KB, CS, CORE, usw...